Wer eine Website, eine App oder eine Broschüre in andere Sprachen bringen will, stößt schnell auf eine Reihe von Begriffen: Übersetzung, Lokalisierung, Transkreation, Internationalisierung, oft abgekürzt als L10n und i18n. Sie werden im Alltag gern durcheinander benutzt. Dabei beschreiben sie unterschiedliche Aufgaben, die unterschiedlich viel Aufwand bedeuten und unterschiedliche Fähigkeiten verlangen.
Die Begriffe im Überblick
| Begriff | Was passiert | Typische Beispiele |
|---|---|---|
| Übersetzung | Der Inhalt eines Textes wird in eine andere Sprache übertragen, möglichst vollständig und genau. | Verträge, technische Dokumentation, Handbücher, Urkunden |
| Lokalisierung | Text und Umfeld werden an einen Zielmarkt angepasst: Sprache, Formate, Bilder, Beispiele, rechtliche Angaben. | Websites, Software, Apps, Onlineshops, Spiele |
| Transkreation | Eine Botschaft wird für einen anderen Markt neu geschrieben, damit sie dieselbe Wirkung erzielt. Der Wortlaut darf sich weit vom Original entfernen. | Slogans, Kampagnen, Produktnamen, Anzeigen |
| Internationalisierung | Ein Produkt wird technisch so gebaut, dass es sich später leicht lokalisieren lässt. | Software mit getrennten Textdateien, flexible Layouts, Unterstützung für verschiedene Schriftsysteme |
Die Abkürzungen stehen übrigens für die Anzahl der Buchstaben zwischen dem ersten und dem letzten: „Localization“ hat zehn Buchstaben zwischen L und n, „Internationalization“ achtzehn zwischen i und n.
Was eine Übersetzung leistet
Eine gute Übersetzung ist weit mehr als das Austauschen von Wörtern. Sie gibt Inhalt, Ton und Absicht des Ausgangstextes wieder, in einer Sprache, die sich für Muttersprachler natürlich liest. Dafür braucht es Sprachgefühl, Fachwissen und Recherche. Bei einem Vertrag zum Beispiel kommt es darauf an, dass jeder Begriff genau dem entspricht, was im Rechtssystem des Ziellandes gemeint ist.
Für viele Texte ist eine Übersetzung genau das Richtige: wenn der Inhalt im Mittelpunkt steht, wenn Genauigkeit wichtiger ist als Wirkung, und wenn das Umfeld des Textes im Zielland ohnehin verstanden wird.
Was bei der Lokalisierung dazukommt
Lokalisierung fragt nicht nur „Wie sagt man das auf Französisch?“, sondern „Wie muss das für Menschen in Frankreich, Belgien oder Kanada aussehen, damit es funktioniert?“ Dazu gehören zum Beispiel:
- Formate: Datum, Uhrzeit, Zahlen, Währungen, Maßeinheiten, Telefonnummern und Adressen werden in jedem Land anders geschrieben. Im Deutschen ist „1.250,50“ eine Zahl mit Dezimalkomma, im Englischen schreibt man „1,250.50“.
- Rechtliche Angaben: Pflichtangaben auf Websites, Verbraucherhinweise, Widerrufsbelehrungen oder Datenschutztexte unterscheiden sich je nach Land. Sie lassen sich nicht einfach übersetzen, sondern müssen für das jeweilige Recht geprüft werden.
- Beispiele und Bezüge: Feiertage, Jahreszeiten, Sportarten, Prominente, Redewendungen. Was in Deutschland jeder kennt, sagt anderswo niemandem etwas.
- Bilder, Farben, Symbole: Fotos von Menschen, Gesten und Farben werden nicht überall gleich gelesen.
- Zahlungsarten und Versand: Ein Shop, der im Zielland übliche Zahlungsarten nicht anbietet, verliert Kunden, egal wie gut der Text ist.
- Anrede und Ton: Ob man duzt oder siezt, wie direkt man formuliert und wie viel Höflichkeit erwartet wird, ist kulturell verschieden.
- Suchbegriffe: Menschen suchen in jedem Land mit eigenen Wörtern. Eine wörtliche Übersetzung Ihrer Suchbegriffe trifft oft nicht, was dort tatsächlich gesucht wird.
Sprache ist nicht gleich Markt
Eine Sprache, viele Märkte: Deutsch wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesprochen, und schon hier gibt es Unterschiede. In der Schweiz schreibt man kein „ß“, sondern „ss“. In Österreich heißt der Januar oft „Jänner“, und viele Wörter aus dem Alltag sind anders. Französisch in Frankreich, Belgien, der Schweiz und Kanada unterscheidet sich ebenfalls, etwa bei Zahlwörtern und Begriffen. Spanisch in Spanien und in Lateinamerika, Portugiesisch in Portugal und Brasilien, Englisch in Großbritannien und den USA: Wer einen bestimmten Markt erreichen will, sollte die passende Sprachvariante wählen.
Wann reicht eine Übersetzung?
Eine Faustregel: Je mehr ein Text verkaufen, überzeugen oder emotional wirken soll, desto mehr Anpassung braucht er. Je mehr er informieren, belegen oder regeln soll, desto wichtiger ist eine genaue Übersetzung.
Eine Übersetzung reicht oft für:
- interne Dokumente, die von Fachleuten gelesen werden,
- technische Dokumentation mit klarer Terminologie,
- Texte, bei denen das Original rechtlich maßgeblich bleibt.
Lokalisierung lohnt sich meistens bei:
- Websites und Onlineshops, die im Zielmarkt Kunden gewinnen sollen,
- Software und Apps, deren Oberfläche täglich benutzt wird,
- Marketingmaterial, das auf lokale Gewohnheiten treffen muss.
Transkreation ist sinnvoll bei:
- Slogans, Claims und Kampagnen,
- Produktnamen, die im Zielmarkt unpassend klingen könnten,
- Texten, die stark mit Wortspielen oder Humor arbeiten.
Internationalisierung: an später denken
Viele Probleme bei der Lokalisierung entstehen, weil ein Produkt nur für eine Sprache gebaut wurde. Typische Beispiele: Texte sind fest in Bilder eingebaut, Buttons haben eine feste Breite, Datumsformate sind im Code festgeschrieben. Wenn klar ist, dass ein Produkt irgendwann mehrsprachig wird, spart es viel Aufwand, das von Anfang an zu berücksichtigen:
- Texte getrennt vom Code und vom Design verwalten.
- Layouts flexibel genug planen, denn Übersetzungen sind oft länger oder kürzer als das Original.
- Platz für Sprachen lassen, die von rechts nach links geschrieben werden, falls diese Märkte in Frage kommen.
- Keine Texte in Grafiken einbetten.
Fragen vor dem Auftrag
Bevor Sie eine Übersetzung oder Lokalisierung beauftragen, klären Sie intern diese Punkte:
- Für welches Land und welche Sprachvariante ist der Text gedacht?
- Soll der Text informieren oder überzeugen?
- Gibt es eine Terminologieliste oder ein Glossar mit festgelegten Begriffen?
- Wer im Zielmarkt kann die Fassung prüfen, bevor sie veröffentlicht wird?
- Welche Inhalte müssen rechtlich geprüft werden?
- Wie werden künftige Änderungen am Original in alle Sprachen übernommen?
Die letzte Frage wird oft vergessen. Eine mehrsprachige Website ist kein einmaliges Projekt. Jede Änderung am Ausgangstext erzeugt Arbeit in allen anderen Sprachen. Wer das von Anfang an einplant, vermeidet Seiten, die in einer Sprache aktuell sind und in der anderen veraltet.
Wie das konkret für eine Sprache aussieht, zeigt unser Ratgeber zum Übersetzen ins und aus dem Französischen.