Französisch ist für viele deutschsprachige Unternehmen und Organisationen eine der wichtigsten Fremdsprachen: Es ist Landessprache in Frankreich, Amtssprache in Belgien, der Schweiz und Luxemburg, wird in Kanada gesprochen und in vielen Ländern Afrikas. Entsprechend häufig werden Texte zwischen Deutsch und Französisch übersetzt. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es dabei typischerweise ankommt.
Zwei Sprachen, zwei Satzbaupläne
Deutsch liebt zusammengesetzte Wörter. Französisch löst dieselben Begriffe oft in mehrere Wörter auf: Aus der „Datenschutzerklärung“ wird eine „politique de confidentialité“, aus dem „Kundenkonto“ ein „compte client“. Umgekehrt muss eine Übersetzung ins Deutsche französische Nominalgruppen sinnvoll zusammenziehen, ohne unlesbare Wortketten zu bilden.
Auch der Satzbau unterscheidet sich. Im Deutschen stehen Verben in Nebensätzen am Ende, im Französischen meist früh. Französische Texte arbeiten außerdem gern mit eleganten Satzverbindungen und Variationen im Ausdruck, während deutsche Fachtexte oft Wiederholungen bevorzugen, damit ein Begriff eindeutig bleibt. Eine gute Übersetzung übernimmt deshalb nicht die Struktur des Originals, sondern formuliert so, wie man es in der Zielsprache tun würde.
Für die Planung heißt das: Die Textlänge kann sich ändern. Wenn Ihre Übersetzung in ein festes Layout passen muss, etwa auf eine Verpackung, in eine App oder einen Button, sagen Sie das vorher und lassen Sie im Design Spielraum.
Typografie: die kleinen Unterschiede
An der Typografie erkennt man schnell, ob ein französischer Text von jemandem gesetzt wurde, der die Konventionen kennt. In Frankreich gelten unter anderem diese Regeln:
- Anführungszeichen: Französisch verwendet « Guillemets » mit einem schmalen Leerzeichen innen. Deutsch verwendet „Anführungszeichen“ unten und oben oder »Chevrons«, die nach innen zeigen.
- Leerzeichen vor Satzzeichen: Vor Doppelpunkt, Semikolon, Ausrufe- und Fragezeichen steht in Frankreich ein (schmales) geschütztes Leerzeichen: « Vraiment ? » Im Deutschen steht dort keins.
- Groß- und Kleinschreibung: Wochentage und Monatsnamen werden kleingeschrieben (lundi, octobre), ebenso Adjektive für Nationalitäten (un vin français). In Überschriften wird meist nur das erste Wort großgeschrieben.
- Abkürzungen: Bei „Madame“ und „Monsieur“ schreibt man „Mme“ und „M.“, bei Ordnungszahlen zum Beispiel „1er“ oder „2e“.
In der Schweiz und in Kanada gibt es teils abweichende Gewohnheiten, zum Beispiel beim Leerzeichen vor Satzzeichen. Klären Sie deshalb, für welchen Markt der Text bestimmt ist.
Technischer Hinweis für Websites: Damit Satzzeichen nicht allein in die nächste Zeile rutschen, sollten Leerzeichen vor Doppelpunkten und Fragezeichen als geschützte Leerzeichen gesetzt werden. Das ist eine Aufgabe für Übersetzung und Entwicklung gemeinsam.
Zahlen, Daten, Währungen
| Deutschland | Frankreich | Westschweiz | |
|---|---|---|---|
| Tausender und Dezimalstellen | 1.250,50 | 1 250,50 | 1'250.50 |
| Datum | 26.10.2026 | 26/10/2026 | 26.10.2026 |
| Datum ausgeschrieben | 26. Oktober 2026 | 26 octobre 2026 | 26 octobre 2026 |
| Uhrzeit | 14:30 Uhr | 14 h 30 | 14h30 oder 14:30 |
Die Tabelle zeigt verbreitete Schreibweisen, keine vollständige Norm. Im Einzelfall können Hausstil und Branche abweichen. Wichtig ist, dass die Formate in einem Text einheitlich sind und zum Zielmarkt passen.
Sprachvarianten: Frankreich ist nicht alles
Französisch klingt in Paris, Brüssel, Genf und Montréal unterschiedlich, und es wird auch unterschiedlich geschrieben. Bekannte Beispiele:
- Zahlwörter: In Belgien und der Schweiz sagt man „septante“ für 70 und „nonante“ für 90, in Teilen der Westschweiz auch „huitante“ für 80. In Frankreich heißt es „soixante-dix“, „quatre-vingts“ und „quatre-vingt-dix“.
- Kanada: In Québec werden Anglizismen oft bewusst vermieden. Man schreibt eher „courriel“ statt „e-mail“ und „magasiner“ für einkaufen gehen. Auch Anrede und Ton sind häufig direkter.
- Schweiz: Viele Begriffe aus Verwaltung, Politik und Alltag sind eigene, etwa im Schul- oder Versicherungswesen. Ein Text für die Westschweiz sollte deshalb von jemandem geprüft werden, der den Schweizer Kontext kennt.
Wenn Sie mehrere französischsprachige Märkte bedienen, entscheiden Sie bewusst: eine neutrale Fassung für alle oder eigene Varianten für einzelne Länder.
Anrede und Tonfall
Im Französischen wird im geschäftlichen Kontext überwiegend gesiezt („vous“). Einige Marken, die junge Zielgruppen ansprechen, duzen („tu“), ähnlich wie im Deutschen. Ein deutscher Text, der duzt, muss im Französischen also nicht automatisch duzen, und umgekehrt. Legen Sie die Anrede für jede Sprache einzeln fest.
Auch Höflichkeitsformeln unterscheiden sich. Französische Geschäftsbriefe enden traditionell mit längeren Grußformeln, als man sie im Deutschen gewohnt ist. In E-Mails ist der Ton heute oft kürzer, aber eine wörtliche Übersetzung von „Viele Grüße“ wirkt nicht immer passend.
Ein weiteres Thema ist geschlechtergerechte Sprache. Im Französischen gibt es dafür verschiedene Ansätze, darunter die „écriture inclusive“ mit Mittelpunkt (lecteur·rice·s), die kontrovers diskutiert wird. Klären Sie vorab, welche Lösung zu Ihrem Haus und Ihrem Publikum passt.
Falsche Freunde
Viele Wörter sehen im Deutschen und Französischen ähnlich aus, bedeuten aber etwas anderes. Eine kleine Auswahl:
| Französisch | Bedeutet | Nicht |
|---|---|---|
| blâmer | tadeln, kritisieren | blamieren |
| brave | mutig, anständig | brav im Sinne von artig |
| un prospect | ein potenzieller Kunde | ein Prospekt (une brochure) |
| un régal | ein Genuss, ein Festessen | ein Regal (une étagère) |
| un local | ein Raum, eine Räumlichkeit | ein Lokal im Sinne von Gaststätte |
Solche Fehler passieren selten professionellen Übersetzerinnen, aber häufig bei schnellen Übersetzungen, maschinellen Rohfassungen oder bei Korrekturen durch Personen, die die Sprache nur gut, aber nicht muttersprachlich beherrschen.
Maschinelle Übersetzung als Rohfassung
Maschinelle Übersetzung ist zwischen Deutsch und Französisch inzwischen oft flüssig. Flüssig heißt aber nicht richtig. Typische Schwächen sind uneinheitliche Fachbegriffe, falsche Anrede, verlorene Nuancen und Fehler, die man erst bemerkt, wenn man das Original kennt. Wenn eine maschinelle Rohfassung verwendet wird, sollte sie von einer qualifizierten Person vollständig überarbeitet werden. Dieses Vorgehen nennt man Post-Editing. Bei Texten, die veröffentlicht werden oder rechtliche Folgen haben, ist das unverzichtbar.
Beglaubigte Übersetzungen
Für Behörden, Gerichte oder Hochschulen brauchen Sie oft eine beglaubigte Übersetzung, etwa von Urkunden, Zeugnissen oder Verträgen. In Deutschland werden solche Übersetzungen von Übersetzerinnen und Übersetzern angefertigt, die bei einem Gericht oder einer Behörde dafür ermächtigt, beeidigt oder öffentlich bestellt sind. In Frankreich spricht man vom „traducteur assermenté“, der bei einem Berufungsgericht als Sachverständiger eingetragen ist.
Ob eine im einen Land beglaubigte Übersetzung im anderen anerkannt wird, ist nicht immer gleich geregelt und kann vom Dokument abhängen. Fragen Sie am besten vorher bei der Stelle nach, die das Dokument verlangt, welche Form sie akzeptiert.
Checkliste für Ihren Auftrag
- Zielmarkt und Sprachvariante festlegen: Frankreich, Belgien, Schweiz, Kanada oder neutral?
- Anrede bestimmen: vous oder tu?
- Glossar mit festgelegten Fachbegriffen und Produktnamen mitgeben.
- Layoutvorgaben und Zeichenbegrenzungen nennen.
- Hinweise zu Typografie und Zahlenformaten für den Zielmarkt geben oder erfragen.
- Klären, ob eine zweite Person die Übersetzung revidiert (Vier-Augen-Prinzip).
- Bei amtlichen Dokumenten vorab klären, welche Art der Beglaubigung verlangt wird.
Den grundsätzlichen Unterschied zwischen einer Übersetzung und einer Anpassung an einen Markt erklärt der Ratgeber Übersetzung vs. Lokalisierung.